Drei Monate nach dem Launch zeigt das Teamfoto noch jemanden, der längst weg ist, die Preise sind die vom Vorjahr, und die Datenschutzerklärung hat seit dem Tag, an dem sie erstellt wurde, niemand mehr aufgemacht. Aufgefallen ist es niemandem, weil niemand hinschaut. Die Branche verkauft Wartung als Sicherheitsupdates, und die Updates waren die ganze Zeit in Ordnung.
Was veraltet tatsächlich?
Fünf Dinge veralten, und alle fünf haben nichts mit Technik zu tun: ob die Firmendaten noch stimmen, ob die Texte noch zur Positionierung passen, ob die Bilder noch relevant sind, ob die Teamseite aktuell ist und ob rechtlich alles korrekt ist. Auf den Seiten, die ich selbst betreue, gehe ich diese Liste mindestens einmal pro Quartal durch.
| Was du prüfst | Was schiefgeht | Die Zwei-Minuten-Version |
|---|---|---|
| Firmendaten | Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten, Bankdaten und UID-Nummer laufen nach jeder Änderung weg | Impressum und Kontaktseite laut gegen die Realität lesen |
| Texte und Positionierung | Du verkaufst inzwischen etwas anderes. Die Startseite verkauft noch das Alte | Den ersten Bildschirm lesen und fragen, ob du das heute im Gespräch so sagen würdest |
| Bilder | Alte Räume, ausgelaufene Produkte, Leute die weg sind, ein Stockfoto das dir nicht mehr taugt | Die Seite am Handy durchscrollen und bei jedem Bild stehen bleiben |
| Teamseite | Jemand ist seit Monaten weg und lächelt Besuchende immer noch an | Die Seite gegen die Lohnverrechnung halten |
| Rechtstexte | Impressum, Datenschutz und AGB veralten, ohne dass du irgendetwas änderst | Gegen die aktuellen rechtlichen Pflichten einer Firmenwebsite prüfen |
Die Teamseite ist die peinliche Zeile, die Rechtstexte sind die teure. Den stillsten Schaden richtet aber die Textzeile an. Ein Betrieb verändert sein Angebot lange bevor er seine Startseite verändert, den Nachzug plant niemand ein, und ein Jahr später beschreibt die Website ein Unternehmen, das es so nicht mehr gibt.
Zählt die technische Seite dann gar nicht?
Doch, und sie ist die Hälfte, die du abgeben kannst, weil die Arbeit jeden Monat dieselbe ist. Updates, Backups, Uptime-Kontrollen und Zertifikate laufen nach Plan, und diesen Plan kann jemand anderer halten. In einem laufenden Abo passiert das einfach. Als separater Wartungsvertrag gekauft, ist es die erste Position, die bei knappem Budget gestrichen wird.
Patchstack hat im Report State of WordPress Security in 2026 für 2025 insgesamt 11.334 neue Schwachstellen im WordPress-Ökosystem gezählt, ein Plus von 42% gegenüber dem Vorjahr, 91% davon steckten in Plugins und 9% in Themes, im WordPress-Core waren es sechs. Wenn deine Seite auf WordPress läuft, ist genau diese Plugin-Ebene das Risiko, und der 30-Plugin-Hintertür-Angriff zeigt, wie das in der Praxis aussieht. Es ist einer der Gründe, warum Betriebe beim nächsten Relaunch auf WordPress-Alternativen schauen.
Ist Barrierefreiheit nach dem Launch erledigt?
Nein. Das österreichische Barrierefreiheitsgesetz ist seit 28. Juni 2025 anwendbar, und für eine erfasste Dienstleistung verlangt § 14 Abs. 3 BaFG geeignete Verfahren, damit die Barrierefreiheitsanforderungen stets erfüllt werden, nicht nur am Launch-Tag. Derselbe Absatz sagt, dass Änderungen der harmonisierten Normen angemessen zu berücksichtigen sind. Das ist Instandhaltung, direkt im Gesetz.
Zwei Punkte, die du sauber auseinanderhalten solltest:
- Das Gesetz nennt keine Konformitätsstufe. Die WKO beschreibt das BaFG als Vermutungsregel: Eine Website gilt als barrierefrei, wenn sie die europäischen Normen einhält. Eine Stufe nennt das Gesetz selbst an keiner Stelle. Die Norm ist aktuell die EN 301 549, die ihrerseits auf die WCAG 2.1 verweist, und die WKO empfiehlt, gleich mit der aktuelleren WCAG 2.2 zu arbeiten. Wir selbst bauen auf Stufe A und AA, das ist unser fachlicher Anspruch.
- Melden musst du selbst. Nach § 14 Abs. 4 BaFG hast du bei Nichtkonformität Korrekturmaßnahmen zu ergreifen und unverzüglich das Sozialministeriumservice zu informieren. Es muss dich niemand erst erwischen.
Weil sich die technischen Standards laufend weiterentwickeln und mindestens alle fünf Jahre neu bewertet werden muss, ob eine Website den Anforderungen noch entspricht, kommt die WKO selbst zu dem Schluss, dass Barrierefreiheit im Web als laufender Prozess zu sehen ist. Ob dich das Gesetz überhaupt erfasst, ist eine eigene Frage, und die meisten Kleinstunternehmen fallen heraus. Das haben wir in muss deine Website barrierefrei sein durchgerechnet.
Kaputt geht Barrierefreiheit nach dem Launch durch ganz normale Inhaltsarbeit:
- Ein Bild, das ohne Textalternative hochgeladen wird
- Ein neues PDF, das ein Scan einer gedruckten Seite ist
- Ein Button in einer frischen Markenfarbe, dessen Kontrast nicht mehr reicht
- Ein Formularfeld, das ohne Beschriftung dazukommt
- Eine Überschrift, die mit großem Fettdruck nachgebaut statt als echte Überschrift gesetzt wird
Jeder dieser Punkte entsteht dadurch, dass jemand seine Arbeit macht und dabei nicht an Barrierefreiheit denkt. Damit gehört das auf die Quartalsliste.
Die Rechnung, die im zweiten Jahr kommt
Die Domain verlängert sich. Die hinterlegte Karte ist abgelaufen. Die Person, die das DNS eingerichtet hat, ist ein Freelancer, mit dem du zuletzt im Jänner gesprochen hast.
In jedem Projekt, das ich übernommen habe, war das Einsammeln der Zugangsdaten für Domain, DNS und den Rest der mühsame Teil. Der Grund ist strukturell. Ein Passwortmanager gibt Zugangsdaten eine Form, und alle halten sich daran. Für den Besitz einer Domain gibt es nichts Vergleichbares, also verteilt sich die Information auf eine alte E-Mail, den Browser einer Kollegin und eine einzelne Rechnung.
Schreib diese fünf Punkte einmal auf, in ein Dokument, das nicht in irgendeinem Postfach liegt:
- Bei welchem Registrar die Domain liegt, und ob dein Unternehmen als Inhaber eingetragen ist
- Wo das DNS betrieben wird, und wer dort einen Eintrag ändern kann
- Wer die Verlängerung zahlt, und über welche Karte
- Wo der Quellcode liegt
- Auf wessen Konto CMS, Analytics und das Ziel des Kontaktformulars laufen
Wer hat Zugriff auf deine Website geht das vollständige Verzeichnis durch, mit der Frage, wer welchen Eintrag halten sollte, und DNS, Domains und E-Mail erklärt, was die einzelnen Teile eigentlich tun.
Was du diese Woche machen kannst
- Trag dir einen wiederkehrenden Zwanzig-Minuten-Termin ein, einmal pro Quartal.
- Geh die fünf Inhaltszeilen von oben durch, mit der Website am Handy offen.
- Schreib die Domain- und Zugangsliste in ein gemeinsames Dokument.
- Wenn man auf deiner Seite buchen, kaufen oder abonnieren kann, kläre, ob dich die Barrierefreiheitspflicht erfasst.
Das alles sind Inhalte und Wahrheitsgehalt, und es passiert nur, wenn es jeden Monat jemandes Aufgabe ist. Die technische Hälfte ist das in einem laufenden Abo bereits. Was da drin ist, siehst du bei unseren Plänen und Preisen.