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Woran erkennst du eine gute Webagentur — die Fragen vor der Unterschrift

Die meisten Fragenlisten für Webagenturen stammen von Agenturen. Hier sind die Fragen, die dich schützen, und was jede Antwort wirklich verrät.

Die meisten “Fragen, die du deiner Webagentur stellen solltest”-Listen sind von Agenturen geschrieben. Kein Wunder, dass sie so gebaut sind, dass die Agentur vertrauenswürdig aussieht, statt dich zu schützen. Diese hier dreht das um. Der Wert liegt in dem, was die Antwort verrät. Die Länge der Fragenliste sagt wenig. Zwei Fragen weichen genau die Anbieter aus, bei denen es später teuer wird, und an denen erkennst du am schnellsten, mit wem du es zu tun hast.

Welche Frage verrät am meisten über einen Anbieter?

Die eine Frage, die am meisten trennt: Wer ist im Monat 13 für diese Website verantwortlich? Ein Projektanbieter antwortet ehrlich “du selbst, oder ein separater Wartungsvertrag”. Genau das ist die Falle. Die Beziehung endet beim Launch, die Website altert, und irgendwann zahlst du ein zweites Mal für ein Redesign. Wer nach dem Launch verantwortlich bleibt, ist der beste einzelne Filter, den du hast.

Alles andere in diesem Beitrag hängt an dieser Frage. Kosten, Eigentum, Wartung, Recht: bei jedem Punkt geht es im Kern darum, wer sich kümmert, wenn die Agentur längst weg ist. Wenn du noch grundsätzlich zwischen den Modellen schwankst, klärt der Vergleich von Baukasten, Agentur und Abo zuerst die Modellfrage. Dieser Beitrag setzt danach an: Du hast dich entschieden, jemanden zu bezahlen, und willst nicht auf die Nase fallen.

Was kostet mich die Website über fünf Jahre statt am Launch-Tag?

Der Angebotspreis ist der Launch-Preis, nicht der Fünf-Jahres-Preis. Ein typisches Projekt einer kleinen Agentur liegt bei etwa € 5.000 bis € 15.000 einmalig (Richtwert für kleine Agenturen; die Clutch-Daten 2025/2026 verorten die meisten Web-Projekte unter 10.000 US-Dollar, auf einer Spanne von 2.000 bis 100.000). Was diese Zahl nicht zeigt: Wartung, Sicherheit, rechtliche Pflege und meist ein Redesign innerhalb der fünf Jahre. Genau die Lücke zwischen dem Angebot und den echten Kosten ist der Punkt.

Die Preisanker der drei Modelle sind belastbar. Die Fünf-Jahres-Zahlen darunter sind eine Modellrechnung und taugen nicht als zitierbarer Fixpreis. Halte die zwei Ebenen beim Lesen auseinander.

Modell 5-Jahres-Kosten (60 Monate) Was drinsteckt und was verborgen bleibt
Baukasten € 900 bis € 3.000 (nur Plattform) In Euro am günstigsten. Nicht enthalten: deine Zeit, grob 170 bis 330 Stunden über fünf Jahre. Du bist die Wartung.
Agentur (Projekt) Launch € 5.000 bis € 15.000 Der sichtbare Preis ist nur der Launch. Über fünf Jahre kommen Wartung, Sicherheit, rechtliche Pflege und meist ein Redesign dazu, im Projektmodell als dein Aufwand oder als Extra-Vertrag.
Website-Abo € 17.700 bis € 33.000 (€ 295 bis € 550 x 60) Bauen, EU-Hosting, Wartung und laufende rechtliche Pflege in einer planbaren Gebühr. Höherer Kopfpreis, dafür ab Tag eins sichtbar.

Rechnet man beim Agenturmodell realistisch weiter, also Launch plus laufende Wartung über einen Wartungsvertrag (grob € 50 bis € 150 im Monat) plus ein Redesign innerhalb der Laufzeit, landet eine ordentlich gepflegte Agentur-Website über fünf Jahre etwa im Bereich von € 11.000 bis € 32.000. Das sind angenommene Werte ohne Beleg, aber die Größenordnung stimmt. Sie liegt in derselben Zone wie die € 17.700 bis € 33.000 des Abos. Der Unterschied ist nur, dass du beim Projekt lange bloß den Launch-Preis gesehen hast. Das Abo kostet ähnlich viel, es zeigt die Fünf-Jahres-Kosten nur von Anfang an offen. Die meisten Betriebe erneuern ihre Website ohnehin innerhalb weniger Jahre, dieser Posten kommt also so oder so.

Wem gehört die Website wirklich, und was musst du schriftlich sichern?

In Österreich regelt der Vertrag, wem eine Website gehört. Die Bezahlung allein reicht dafür nicht. Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt, und eine ausweichende Antwort darauf ist ein handfestes Warnsignal. Vier Dinge musst du getrennt klären:

  • Domain. Eine .at-Domain gehört, wer bei nic.at als Domaininhaber eingetragen ist. Frage: ist die Domain von Tag eins auf meinen Namen registriert? Ein Anbieter, der deine Domain unter seinem eigenen Konto anlegt, baut eine konkrete Abhängigkeit ein.
  • Quellcode. Das Urheberrecht bleibt beim Ersteller, also beim Entwickler. Was du bekommst, ist ein schriftlich vereinbartes Werknutzungsrecht, und nur so weit, wie es vereinbart ist. Ohne diese Vereinbarung hast du unter Umständen nicht einmal Anspruch auf eine Kopie des Codes. Frage: bekomme ich den Quellcode und schriftlich das Recht, ihn unabhängig von dir weiterzuverwenden?
  • Inhalte. Für Texte, Bilder und Design gilt dieselbe Logik. Das Recht daran bleibt beim Ersteller, bis eine schriftliche Nutzungsrechtsvereinbarung es dir überträgt. Frage: bekomme ich schriftliche Nutzungsrechte an allen Inhalten, auch wenn wir getrennte Wege gehen?
  • Analytics. Anders als die drei davor geht es hier um den Zugriff. Ein Analytics-Konto gehört praktisch dem, unter dessen Zugang es angelegt wurde. Frage: läuft das Analytics-Konto auf mich, und behalte ich die Daten, wenn ich gehe? Analytics ist dabei nur eines von zehn Konten, die vollständige Liste der Zugänge steht in einem eigenen Beitrag.

Ein guter Anbieter beantwortet alle vier klar und schriftlich. Wer herumredet, verrät dir mehr als jede Referenzliste. Wie das aussieht, wenn Eigentum von Anfang an bei dir liegt, steht ausführlich unter wem die Website beim Abo gehört.

Wer kümmert sich nach dem Launch um Wartung und Sicherheit?

Nach dem Launch beginnt die Arbeit, die niemand im Angebot sieht, und aufgeschobene Updates sind ein echtes Risiko. Ein konkretes Beispiel: Anfang April 2026 aktivierte ein Angreifer eine Hintertür, die er Monate zuvor über rund 30 aufgekaufte WordPress-Plugins eingeschleust hatte, und schrieb Schadcode in Hunderttausende Websites. Die ganze Geschichte steht im Beitrag zum 30-Plugin-Angriff.

Das ist kein Argument gegen WordPress als solches. WordPress mit jemandem, der aktiv dahintersteht und zeitnah aktualisiert, ist eine solide Option. Womit der Angreifer gerechnet hat, war die andere Variante: eine Website, die läuft, für die aber nach dem Launch niemand mehr zuständig ist. Deshalb die Frage: wer übernimmt nach dem Launch Updates und Sicherheit, und wie schnell? Eine gute Antwort nennt einen Verantwortlichen und einen Rhythmus. Eine schlechte lässt offen, dass es am Ende an dir hängt.

Wer trägt die rechtliche Verantwortung für die Website?

Die rechtliche Verantwortung für die laufende Website liegt beim Betreiber, also bei deinem Unternehmen. Die Agentur trägt sie nicht. Nach der DSGVO bist du der Verantwortliche für die Daten, die die Seite verarbeitet. Eine Agentur, die auf deine Weisung baut und hostet, ist in der Regel Auftragsverarbeiterin und braucht dafür einen schriftlichen Auftragsverarbeitungsvertrag. Frage: wer unterschreibt den AVV, und bekomme ich ihn ohne Nachfrage?

Dazu kommen die laufenden Pflichten wie Impressum, Datenschutzerklärung und Cookie-Einwilligung. Die gehören nach dem Launch jemandem, sonst veralten sie still. Die Details dazu stehen im Beitrag zu den rechtlichen Pflichten einer Firmenwebsite. Für die Vetting-Frage reicht: Ein guter Anbieter macht dir die Einhaltung leicht und legt dir den AVV hin. Ein Anbieter, der bei “wer trägt hier die Verantwortung” ins Schwimmen kommt, hat darüber nicht nachgedacht.

Die Checkliste: Frage, gute Antwort, Warnsignal

Nimm diese Tabelle ins nächste Gespräch mit. Entscheidend ist, wie konkret die Antwort ausfällt.

Was du fragst Wie eine gute Antwort klingt Warnsignal
Wer ist im Monat 13 verantwortlich? Eine benannte laufende Betreuung, im Vertrag geregelt “Danach meldest du dich einfach, wenn was ist”
Was kostet das über fünf Jahre? Offene Rechnung inklusive Wartung und wahrscheinlichem Redesign Nur der Launch-Preis, Rest bleibt vage
Ist die Domain auf meinen Namen? Ja, du bist von Tag eins Domaininhaber bei nic.at Domain läuft übers Agentur-Konto
Bekomme ich Code und Inhalte schriftlich? Schriftliches Werknutzungsrecht an Code, Texten und Bildern “Das brauchst du doch gar nicht” oder Ausweichen
Wer macht Updates und Sicherheit? Benannte Person und ein klarer Rhythmus Updates sind nach dem Launch dein Thema
Wer unterschreibt den AVV? Anbieter legt den Auftragsverarbeitungsvertrag von sich aus vor “AVV, was ist das”

Wann ein Baukasten oder ein Freelancer die richtige Wahl ist

Wenn du eine einzelne Landingpage brauchst und sonst nichts, ist das hier alles überdimensioniert. Dann ist ein Baukasten oder ein guter Freelancer die richtige Wahl, und du solltest keine laufende Betreuung bezahlen, die du nicht brauchst. Die Fragen in diesem Beitrag zahlen sich in dem Moment aus, in dem deine Website mehr ist als eine digitale Visitenkarte: wenn Kundinnen und Kunden dich danach beurteilen, wenn rechtliche Pflichten mitlaufen und wenn niemand im Betrieb Zeit hat, sich selbst um Wartung zu kümmern.

Der rote Faden durch alle sechs Fragen ist derselbe: Wer bleibt verantwortlich, wenn der Launch vorbei ist? Das Projektmodell hat darauf keine strukturelle Antwort, das Abo schon, weil jemand zuständig bleibt und der Preis planbar ist. Wenn du sehen willst, wie das konkret aufgeteilt ist, stehen die Pläne und die häufigen Fragen für die Details, die man vor der Unterschrift geklärt haben will.

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