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Reparieren oder neu bauen: wann sich ein Website-Relaunch wirklich lohnt

Drei einfache Checks für die Seite, die du schon hast, der Unterschied zwischen alt aussehen und festsitzen, und der ehrliche Fall, in dem du gar nichts ausgibst.

Deine Website ist sechs Jahre alt. Auf dem Teamfoto stehen noch zwei Personen, die längst weg sind, die Schriften sind in die Jahre gekommen, und alle paar Monate sagt jemand, man müsste da wirklich einmal etwas machen. Irgendwann holst du ein Angebot ein, und das Angebot ist eines für eine neue Website, weil du genau danach gefragt hast.

Es gibt einen kürzeren Weg zu dieser Entscheidung, und dafür brauchst du niemanden aus der Technik. Wenn ich mir die alte Website eines kleinen Betriebs zum ersten Mal ansehe, sagen mir drei Dinge, ob sie es wert ist, dass man sie behält: klare Kommunikation, schnell, ordentliches Design. Mehr ist der Test nicht. Eine Seite, die alle drei besteht, muss selten ersetzt werden, und ein Relaunch wird dann zur teuersten Art, ein Problem zu lösen, das noch niemand benannt hat.

Reparieren oder neu bauen: woran entscheidest du das?

Prüf drei Dinge an deiner Seite. Kommuniziert sie klar, lädt sie schnell, hält das Design stand. Eine Seite, die alle drei besteht, behältst du. Eine Seite, die an Texten, Fotos oder Preisen scheitert, braucht Überarbeitung. Ein Neubau ist für Seiten, in die niemand hineinkommt, an denen niemand etwas ändern kann oder die am Handy unbrauchbar sind.

Der Rest dieses Beitrags zeigt dir, wie du diese drei Checks selbst machst, woran du eine Seite, die alt aussieht, von einer unterscheidest, die tatsächlich feststeckt, und was zu tun ist, wenn die ehrliche Antwort lautet: deine Website passt schon.

Der Drei-Wörter-Test, in fünf Minuten am Handy

Dafür reicht dein Handy. Öffne deine Startseite und geh die drei Punkte durch.

Check So machst du ihn heute Bestanden heißt
Klare Kommunikation Gib dein Handy jemandem, der deinen Betrieb nicht kennt. Fünf Sekunden auf der Startseite. Die Person kann sagen, was du anbietest, für wen, und wie man dich erreicht
Schnell WLAN aus, Seite über mobile Daten neu laden, laut mitzählen, bis der Inhalt da ist Du kommst bis zwei oder drei
Ordentliches Design Scroll die Startseite und eine zweite Seite am Handy durch Text ist ohne Zoomen lesbar, nichts überlappt, Buttons lassen sich treffen

Kommuniziert die Seite klar?

Diesen Check überspringen die meisten, weil er nach Geschmackssache klingt. Dabei gibt es dafür eine Probe, und die dauert fünf Sekunden. Gib dein Handy einer Nachbarin, einem Lieferanten, irgendjemandem außerhalb deines Betriebs, und schau dir fünf Sekunden lang das Gesicht an. Wenn die Person danach nicht sagen kann, was du machst, für wen du es machst und wie man dich erreicht, versagt die Seite genau bei der einen Aufgabe, die eine Startseite hat.

Fast immer liegt es an den Texten. Überschriften, die intern entstanden sind, ein Über-uns-Absatz an der Stelle, an der das Angebot stehen müsste, eine Telefonnummer drei Klicks tief. Das ist Schreibarbeit von ein paar Stunden und hat mit der Technik darunter nichts zu tun. Deshalb löst ein Austausch der Technik davon auch nichts. Welche Struktur sich bewährt hat, steht in den fünf Seiten, die jede Firmenwebsite braucht.

Ist sie schnell?

Hinter “schnell” steckt eine Zahl. Google zieht die Grenze bei 2,5 Sekunden, bis der Hauptinhalt sichtbar ist, gemessen an echten Aufrufen im 75. Perzentil (web.dev). Dein Handy über mobile Daten liefert dir einen groben ersten Eindruck: neu laden und laut mitzählen. Wenn du bei acht landest, weißt du auch ohne Messung Bescheid.

Langsamkeit hat meistens banale Gründe und lässt sich beheben. Fotos direkt aus der Kamera, eine Seite, die Schriften und Trackingcodes lädt, die längst niemand mehr braucht, ein Hosting, das 2018 günstig war. Unser Selbsttest für langsame Websites geht die Zwei-Minuten-Variante und die drei üblichen Ursachen durch.

Ist das Design ordentlich?

Die Messlatte heißt ordentlich, nicht preisverdächtig. Das Design soll dir aus dem Weg gehen: lesbare Texte, Bilder in vernünftigen Proportionen, ein Layout, das auch auf einem schmalen Display hält. Eine Seite darf dabei ruhig nach 2019 aussehen und den Test trotzdem locker bestehen. Viele tun das.

Was hier durchfällt, ist handfest. Text, der sich am Handy überlappt, Buttons, die zu klein zum Treffen sind, ein Menü, das sich gar nicht öffnet. An dieser Stelle springen Besuchende ab, bevor sie irgendetwas gelesen haben, und ab hier geht es um mehr als Kosmetik.

Alt aussehen und feststecken sind zwei verschiedene Dinge

Hier kippen die meisten Reparieren-oder-neu-bauen-Entscheidungen. Sichtbares Alter und unsichtbares Alter haben sehr unterschiedliche Preisschilder, und das sichtbare ist fast immer das günstigere.

Was dir auffällt Was meistens dahintersteckt Was es braucht
Altes Teamfoto, Preise von 2022, eine Leistung, die es nicht mehr gibt Inhalte, die stehen geblieben sind Einen Nachmittag Überarbeitung
Schriften und Farben wirken angestaubt, das Layout zeigt sein Alter Kosmetisches Alter Eine Auffrischung im Design, oder gar nichts
Text überlappt am Handy, Buttons sind schwer zu treffen Die Seite ist älter als das Handy-Zeitalter Neubau der sichtbaren Seite, manchmal mehr
Du kannst kein Wort ändern, ohne jemanden zu fragen Redaktionelle Zugänge Hängt davon ab, wer die Konten hält
Niemand weiß, wo sie gehostet ist oder wem die Domain gehört Eine Zugriffsfrage Zuerst die Konten klären, dann entscheiden
Das System darunter wurde jahrelang nicht aktualisiert Strukturelles Alter Ersatz

Die unteren drei Zeilen rechtfertigen einen Neubau. Auf einem Screenshot sieht man keine davon. Das Erkennungsmerkmal steckt darin, was passiert, wenn du etwas ändern willst: wen du anschreiben musst, wie lange es dauert, und ob überhaupt noch jemand hineinkommt.

Das gehört geklärt, bevor du irgendetwas entscheidest, weil es die Antwort verändert. Manche Seite, die als unwartbar gilt, hat schlicht einen Zugang, den nie jemand notiert hat. Wer hat eigentlich Zugriff auf deine Website? listet die Konten auf, aus denen eine Website besteht, und was nach dem Launch passiert beschreibt die laufende Pflege, die viele Seiten irgendwann still nicht mehr bekommen.

Wenn die Website gar nicht dein Problem ist

Ich habe Leuten schon gesagt, dass ihre Seite passt und sie keine neue brauchen. Die Seite war wirklich gut. Was sie gebraucht hätten, war ein neuer Blick auf ihre Ziele und eine realistische Einschätzung, was in ihrer Branche überhaupt möglich ist.

Dieses Gespräch ist unangenehm, weil es den Betrieb nichts kostet und die Frage beantwortet, die niemand gestellt hat. Unter fast jedem Relaunch-Wunsch liegt nämlich diese eine: was ist das eigentliche Ziel der Website, außer dass sie hübsch ist. Kaum jemand bringt sie ins Erstgespräch mit, und sie entscheidet mehr als jede Designfrage danach.

Drei Antworten solltest du haben, bevor du Geld ausgibst:

  1. Was soll in einer normalen Woche auf der Seite passieren? Fünf Anfragen über das Formular. Zwanzig Anrufe weniger, weil Öffnungszeiten und Preise endlich dort stehen, wo Leute sie suchen. Zwei brauchbare Bewerbungen. Nimm die Zahl, die für dich zählt.
  2. Woher kommen deine Anfragen heute? Wenn der Großteil deiner Aufträge über Empfehlungen und eine Telefonnummer hereinkommt, die die Leute ohnehin schon haben, verschiebt eine neue Website diese Verteilung von allein nur wenig. Sie kann sich trotzdem lohnen, aus anderen Gründen.
  3. Was kann eine Website in deiner Branche realistisch bewegen? Manche Gewerke gewinnen Aufträge online. Andere gewinnen sie im Geschäft, auf der Baustelle und über Leute, die sie schon kennen. Beides ist völlig in Ordnung und führt zu sehr unterschiedlichen Budgets.

Wenn es auf diese drei noch keine Antworten gibt, liegt genau dort die Arbeit. Ein Relaunch ohne sie ist eine Vermutung mit Preisschild, und du kannst hinterher nicht beurteilen, ob er etwas gebracht hat. Denselben Punkt stellen wir in den drei Fragen, die vor einem Website-Auftrag niemand stellt neben die üblichen Angebotsfragen.

Was das Ergebnis jeweils bedeutet

  1. Alle drei bestanden, Ziele klar. Behalte die Seite. Steck das Geld in die Inhalte und in die Ziele, die du gerade aufgeschrieben hast.
  2. Alle drei bestanden, Ziele vage. Die Seite ist heuer das falsche Projekt.
  3. Nur die Kommunikation fällt durch. Schreibarbeit. Gleiche Seite, neue Texte, in Tagen erledigt.
  4. Die Geschwindigkeit fällt durch. Erst herausfinden, warum. Bilder und Hosting sind günstig zu beheben. Ein ungepflegtes System darunter geht ins Geld.
  5. Die Seite fällt am Handy durch. Das ist ein Problem am Bau selbst. Hier beginnt ein Neubau sinnvoll zu werden.
  6. Du kommst nicht hinein, oder niemand kann etwas ändern. Zuerst die Zugänge klären. Wenn dabei nichts herauskommt, hast du deine Antwort, ganz unabhängig davon, wie die Seite aussieht.

Ein Relaunch verdient seinen Preis, wenn die Seite wirklich feststeckt: am Handy unbrauchbar, nicht mehr änderbar oder auf einem System, das niemand mehr pflegt. Wenn sie bloß alt aussieht, gewinnt meistens die günstigere Arbeit, und die günstigere Arbeit heißt meistens schreiben.

Wenn du bei Neubau landest, ist die nächste Entscheidung der Weg dorthin, das Design kommt später. Baukasten, Agentur oder Abo zeigt, was dich die drei Varianten über die Jahre danach kosten. Wenn du bei Behalten landest, schreib auf, wie eine gute Woche auf deiner Seite aussieht, und lass das entscheiden, was als Nächstes drankommt.

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